Ist der Feldhase bald Geschichte?

Feldhasen beim Wettlauf
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Feldhasen gehören zur Familie der Säugetiere und sind nicht mit den Nagetieren verwandt. Mit wissenschaftlichem Namen werden sie als Lepus europaeus bezeichnet. Ihre langen markanten Ohren mit den schwarzen Spitzen, haben eine Länge von bis zu 15 cm. Damit sehen sie nicht nur hübsch aus, sondern können auch außerordentlich gut hören. Feldhasen erreichen eine ungefähre Körperlänge von 70 cm und ein Gewicht von 3 bis 6 kg. Ihr ca. 6 bis 13 cm langer Schwanz hat eine dunkle Oberseite, währenddessen die Unterseite mit weißem Fell versehen ist. Feldhasen sind Vegetarier und gelten als Genießer. Auf ihrem Speiseplan stehen Klee, Wildkräuter, Gras und ebenfalls Feldfrüchte.

Begabt in Hoch- und Weitsprung

Im Gegensatz zu Kaninchen leben Feldhasen nicht in einem Bau, sondern sie scharren sich flache Mulden auf dem Feld, in denen sie Schutz und Deckung finden. Feldhasen gelten als reviertreu und bewohnen gleich mehrere solcher Mulden, die sogenannten Sassen, die sie je nach Wind- und Wetterlage nutzen. Durch ihr an die Jahreszeit angepasstes erdig-gelblich bis braunrötliches sowie graubraunes Fell, sind Feldhasen auf dem Acker gut getarnt. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Greifvögel, Marder, Wildschweine und Füchse, allerdings können ihnen auch Hunde und Katzen gefährlich werden.

Die im Vergleich zu ihren Vorderbeinen extrem langen Hinterläufe, ermöglichen Feldhasen ihren speziellen Laufstil und das für sie typische Hoppeln. Charakteristisch für die Langohren sind ebenso ihre besonders hohen und weiten Sprünge. Sie können blitzschnell die Richtung wechseln, was ihnen auf der Flucht vor Feinden von großem Nutzen ist. Denn Haken-schlagend flüchten Feldhasen in der Regel erst im allerletzten Moment und können bei der Verfolgungsjagd kurzfristig extreme Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen.

Symbol der Fruchtbarkeit

Feldhasen sind Einzelgänger und zeigen lediglich in der Paarungszeit Interesse am anderen Geschlecht, die bereits frühzeitig im Januar beginnt. Dann leisten sie sich wieder ausgedehnte Verfolgungsjagden auf den Feldern. Prägnant für das Paarungsverhalten der Feldhasen sind ihre einzigartigen Boxkämpfe, bei denen sich Häsin und Rammler auf den Hinterläufen gegenüber stehen und sich gegenseitig mit den Vorderpfoten auf die Brust trommeln. Das ausdauerndste und kräftigste Männchen geht bei diesem Paarungsritual als Sieger hervor und darf sich mit der Häsin paaren.

Nach einer Tragzeit von ca. 42 Tagen bringt die Häsin ihre völlig entwickelten Hasenbabys zur Welt, die sie nur in einer geschützten Mulde auf dem Feld ablegt. Hasen gelten als Symbol der Fruchtbarkeit, da die Häsin in der Regel dreimal im Jahr bis zu fünf Jungen bekommt. Die Hasenjungen haben bereits Fell und können von Geburt an sehen. Feldhasen sind Nestflüchter, werden aber noch mehrere Wochen von der Häsin in der Dämmerung und nachts gesäugt. Tagsüber verharren die Hasenjungen meist in ihrer Geburtsmulde. Nach 3 – 4 Wochen sind die Jungen selbstständig und schon nach acht Monaten geschlechtsreif.

Erneuerbare Energien bedrohen Artenvielfalt

Als Lebensraum benötigen Feldhasen offene und strukturreiche Landschaften, Felder, Äcker, Wiesen, vorzugsweise umsäumt mit Hecken und Büschen als Versteckmöglichkeiten. Allerdings schrumpft die Lebensgrundlage der Feldhasen, unter anderem durch die intensiv betriebene Landwirtschaft und den allgemein voranschreitenden Flächenverbrauch in der Natur. kontinuierlich dahin.

Ebenfalls führt die EU-Förderung der erneuerbaren Energien zum großflächigen Wegfall von Brachflächen, was sich allgemein zu einer massiven Bedrohung für die Artenvielfalt auf dem Acker entwickelt. Generell sind für Wildtiere in der Natur kaum noch Rückzugsrefugien mit Feldrainen, Sträuchern und Hecken vorhanden, da quasi alles zur Energiegewinnung in den Biogasanlagen landet. Einstige großflächige Flächenstilllegungen werden zunehmend intensiv zur Produktion nachwachsender Rohstoffe genutzt, was beispielsweise auch an den überall aus dem Boden sprießenden Maisfeldern ersichtlich ist.

Gefahr durch Pestizide, Monokultur, Jagd und Straßenverkehr

Gleichzeitig fördert der ständig steigende Einsatz von Pestiziden den Verlust der Nahrungsgrundlage der Feldhasen. Die Häsinnen sind auf saftige und fettreiche Wildkräuter angewiesen, um ausreichend nahrhafte Milch für die Jungen bilden zu können. Allerdings wachsen durch menschliches Zutun immer weniger Wildpflanzen auf den Feldern. Dabei ist die Qualität der Milch entscheidend für den Gesundheitszustand und die weitere Entwicklung der Junghasen. Desweiteren tragen die vorherrschende Monokultur und das in der Landwirtschaft zum Einsatz kommende schwere Gerät sowie die gesteigerte Mahdfolge, maßgeblich zur Verschärfung der tendenziellen Negativentwicklung bei.

Ebenso können Feuchtigkeit und nasskaltes Wetter die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen, was besonders für den Nachwuchs der Feldhasen eine lebensbedrohliche Gefahr darstellt. Bestandsschwankungen durch witterungsbedingte Verluste und Krankheiten werden jedoch meistens in den Folgejahren wieder ausgeglichen. Allerdings sind der Verlust des Lebensraums, die intensiv betriebene Jagd und der Straßenverkehr nachhaltige Bedrohungen für die Populationen der Feldhasen.

Feldhasen vom Aussterben bedroht

Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass die Bestände der Feldhasen laut Meldungen der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, seit den 1970er Jahren stark rückläufig sind und die schönen Wildtiere vom Aussterben bedroht sind. Seit 2009 ist der Feldhase in der Roten Liste der bedrohten Arten aufgeführt. Um auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen, wurde der Feldhase von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem NABU 2001und 2015 zum zweiten Mal zum Wildtier des Jahres gewählt.

Die Schaffung veränderter Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft sowie ein entsprechendes Jagdverbot sind dringend von Nöten, um den als Fruchtbarkeitssymbol geachteten Langohren, eine Chance zum Überleben zu bieten.

Ansonsten ist der vom Aussterben bedrohte Feldhase möglicherweise bald nur noch Geschichte.

Literatur:
SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD - Stiftung zur Erhaltung der freilebenden Tierwelt
Deutsche Wildtierstiftung

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