Der Stieglitz – Vogel des Jahres 2016 und Botschafter für mehr Artenvielfalt

Der Stieglitz (Carduelis carduelis) wird auch Distelfink genannt.
FOTO: © Ingeborg Kaiser

Der Stieglitz (Carduelis carduelis) gehört zur Familie der Finken und wird auch Distelfink genannt. Er ist etwas kleiner als ein Sperling und von schlanker Gestalt. Der Stieglitz zählt zu den farbenprächtigsten Singvögeln in Europa. Die intensiv rote Gesichtsmaske und der restlich weiß und schwarz gefiederte Kopf sowie seine hellbraune Rückenfärbung mit den kontrastreichen leuchtend gelb und schwarzen Flügeln und dem weißem Bürzel, verleihen dem Distelfink ein ungewöhnliches Aussehen in der Vogelwelt.

Strukturreicher Lebensraum mit Streuobstwiesen bevorzugt

Als Lebensraum und Nistplatz bevorzugen die farbenfrohen Finkenvögel halboffene Kulturlandschaften mit strukturreichen Streuobstwiesen und Feldgehölzen, ebenso aber auch Waldränder, Parks und Kleingärten. Wie ihr Name bereits verrät, stehen Sämereien, insbesondere Distelsamen, auf ihrem Speiseplan.

Umstellung auf vegetarische Kost

Mitte bis Ende April beginnt das Weibchen mit dem Nestbau, der ungefähr eine Woche dauert. Als Ort für die Brutstätte wählt das Stieglitzweibchen geschützte und höher gelegene Gefilde, wie beispielsweise hoch gewachsene Sträucher und Baumkronen. Das Weibchen legt in der Regel 4 – 6 Eier, die es ca. 14 Tage bebrütet. Während der Brutzeit wird das Stieglitzweibchen vom Männchen gefüttert.

Die Nestlinge erhalten anfangs tierische Kost wie Larven und Insekten. Allerdings wird der Speiseplan nach kurzer Zeit auf vegetarische Nahrung umgestellt. Dann gibt es für die Jungvögel Distelsamen und weitere Sämereien von unterschiedlichen Blütenpflanzen, Sträuchern und Bäumen. Noch während der Zeit des Flüggewerdens, baut das Weibchen bereits ein zweites Nest. Bis die Jungvögel selbstständig sind, vergehen ungefähr vier Wochen.

Teilzieher und Standvögel

Stieglitze zählen zu den Teilziehern, d. h. ein Teil fliegt ins Winterquartier nach Südwesteuropa, während ein Teil der Bestände die Wintermonate hier verbringt.

Übernutzung der Natur und Biogas fördern Artensterben

Die intensiv betriebene Landwirtschaft sowie die Übernutzung der Natur durch uns Menschen, setzen auch den Beständen der Stieglitze erheblich zu, denn sie berauben die farbenfrohen Finkenvögel zunehmend um ihre Lebens- und Nahrungsgrundlage. Hecken umsäumte Felder sind kaum noch anzufinden, Wildpflanzen am Straßenrand verschwinden ebenfalls in Windeseile.

Auch werden im Zuge des Biogas-Booms deutschlandweit zunehmend Brachflächen aus dem Dornröschenschlaf geweckt, um dort vornehmlich Mais für den Biomasseanbau anzubauen. Als Folge dieser weitreichenden negativen Entwicklung sind auch die Bestandszahlen der Stieglitze in den letzten deutlich zurückgegangen.

Vogel des Jahres 2016 – Symbol für den Rückgang der biologischen Vielfalt

Der farbenfrohe Stieglitz wurde vom NABU und LBV zum Vogel des Jahres 2016 gekürt und steht nun als Botschafter für die fortschreitende Verarmung unserer Strukturlandschaften sowie die sich ausbreitende Monotonie in der Agrarwirtschaft und den dadurch vorangetriebenen rapiden Rückgang von natürlichem Lebensraum und Artenvielfalt.

Literatur:
NABU: Charaktervogel bunter Landschaften - Der Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016
Atlas deutscher Brutvogelarten


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