Duftstoffe im Gesundheitswesen – ein zunehmendes Problem

Duftstoffe im Krankenhaus sind problematisch für viele Patienten.
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Immer mehr Menschen reagieren auf Duftstoffe mit Gesundheitsstörungen
Umweltbedingte Erkrankungen wie Asthma, Duftstoffallergien und Multiple Chemikalien Sensitivität sind kontinuierlich zunehmend. Hinzukommt, dass Duftstoffe heutzutage in unserem Alltag praktisch allgegenwärtig sind und deren Einsatzbereiche tendenziell immer vielfältiger werden, obwohl das Umweltbundesamt (UBA),in Berlin, seit mehreren Jahren explizit von unkontrolliertem Einsatz von Duftstoffen abrät.

Mediziner empfehlen Duftstoffallergikern, Düfte in ihrem Alltag strikt zu meiden. Dies ist jedoch kaum zu bewerkstelligen, denn sogar im Gesundheitswesen kommen Duftstoffe sorglos und freizügig zum Einsatz.

Duftstoffmarketing im Gesundheitswesen – ein Risiko für viele Patieten

Das Schicksal, plötzlich und unerwartet ins Krankenhaus zu müssen, kann jeden von uns treffen. Für Menschen, die an Multipler Chemikalien Sensitivität, kurz MCS genannt, oder an einer Duftstoffallergie erkrankt sind, stellt dies eine schier unüberwindbare Hürde dar, denn in Deutschland ist man in Kliniken und allgemein im Gesundheitswesen, nicht auf die speziellen Bedürfnisse von Umweltpatienten und Duftstoffallergikern eingestellt. Hingegen wird sogar in Arztpraxen und Krankenhäusern häufig Duftmarketing, sogenanntes „Air-Design“, betrieben.

Karina wurde von heute auf morgen ins Krankenhaus und musste dort über zwei Wochen verweilen. Sie selbst leidet weder an einer Duftstoffallergie noch an Multipler Chemikalien Sensitivität – MCS. Dennoch fühlte sie sich von der Dominanz der Düfte im Krankenhaus stark belästigt.

Karina erzählt von ihrem Krankenhausaufenthalt:

Vor einiger Zeit musste ich unerwartet für 16 Tage ins Krankenhaus. Dort wurde ich mit vielen unliebsamen Düften konfrontiert.
Eine meiner Mitpatientinnen entfernte sich am Abend vor ihrer OP den Nagellack im Krankenzimmer. Danach roch das ganze Zimmer stark nach Lösungsmittel. Eine weitere Zimmerkollegin sprühte sich am Morgen ihrer Entlassung großzügig mit Deospray ein, zudem roch ihre Kleidung intensiv nach Weichspüler, so dass die Raumluft stark mit Duftstoffen angereichert war.

Die neue Zimmerkollegin gönnte sich vor dem Schlafengehen eine großzügige Ladung Haarspray. Es stank im ganzen Zimmer danach. Ich bat sie: „Bitte hören Sie damit auf, ich vertrage das nicht. Außerdem ist Haarspray gesundheitsschädlich.“

Die über 80-Jährige antwortete erstaunt: „Wenn ich das nicht mache, stehen morgen meine Haare ab.“
Ich antworte: „Immerhin gibt es auch Wasser und Bürsten, damit bekommen Sie Ihr Haar morgen wieder prima hin. Wir sind hier nicht in einem Beautysalon, sondern in einer Klinik, in der man genesen soll.“
Trotz sofortigem Aufreißen aller 3 Fenster, war für mich an Schlaf nicht mehr zu denken.

Da ich über 14 Tage im Krankenhaus verweilen musste, hatte ich mehrfachen Wechsel von Mitpatientinnen. Eine Zimmerkollegin war nach ihrer OP bettlägerig und benutzte ständig ihr penetrantes Parfüm, ebenso stark parfümierte Cremes, Deo und Schminke. Auf der fensterlosen Toilette unseres Krankenzimmers stand eine Dose Raumspray. Ich bat meine Zimmerkolleginnen, das Duftspray nicht mehr zu benutzen, ich bekam davon Reaktionen der Atemwege.

Hinzu kamen die vielen Besucher, die meist reichlich Düfte im Krankenzimmer verströmten. Das war selbst für mich zu viel und ich musste öfter Reißaus nehmen, weil ich es nicht mehr aushielt. Oft bekam ich Kopfschmerzen, Atembeschwerden und es wurde mir sogar übel. An Erholen bzw. Schlafen war kaum zu denken, so extrem war die Duftstoff geschwängerte Luft teilweise. Wenn es das Wetter ermöglichte, flüchtete ich in den Garten, um wieder befreit atmen zu können, aber selbst das war mir oft nicht gegönnt, weil auch hier umhergehende bzw. auf den Bänken sitzende Patienten und deren Besuch, eine Wolke von Parfüm und Weichspüler in der Kleidung etc., verbreiteten.

Nicht nur meine Zimmerkolleginnen, auch die Nachtschwestern brachten bei ihren nächtlichen Kontrollgängen intensive Duftfahnen mit ins Zimmer.
Während meines gesamten Klinikaufenthalts fühlte ich mich dadurch massiv gestört, denn auf Grund der Intensität der Duftstoffe konnte ich keine einzige Nacht durchschlafen.

Doch all dem nicht genug, nicht nur die Nachtschwestern, auch die meisten Krankenschwestern, Ärzte wie auch Ärztinnen waren intensiv parfümiert. Auf den Gängen und bei meinen Untersuchungsterminen im Haus wurde ich ebenfalls zumeist mit starken Duftnoten konfrontiert. Einer meiner Physiotherapeuten schien offenbar in seinem Aftershave zu baden. In der Röntgenabteilung und im Labor war die Atemluft der reinste Duftcocktail. Die im Krankenhaus benutzen Putzmittel unterstrichen die allgegenwärtige Zwangsbeduftung.

Die Luft im Krankenhaus glich der Luft in einer Parfümerie. Bei meinen früheren Krankenhausaufenthalten waren Düfte kaum vorhanden oder sie waren die Ausnahme gewesen. Früher war es allgemein Usus, Parfum dezent aufzutragen. Heute ist es umgekehrt, es gibt kaum jemanden, der nicht stark parfümiert ist. Ich war heilfroh, als ich endlich zuhause war und wieder richtig durchatmen konnte.“

Trotz der hochallergenen Wirkung sind synthetische Duftstoffe im Alltag stark zunehmend

In der Duftstoffindustrie werden mittlerweile über 3000 verschiedene synthetische Duftstoffe verarbeitet, deren Auswirkungen auf die Gesundheit kaum erforscht sind. Besonders die Wirkung der einzelnen Substanzen untereinander, ist in wissenschaftlichen Fachkreisen nach wie vor ungeklärt. Duftstoffe gelten jedoch erwiesenermaßen als hochgradig Allergie-auslösend. Umso unverständlicher ist es unter diesem Gesichtspunkt anzusehen, dass der Einsatz von Duftstoffen und Chemikalien im medizinischen Bereich nicht radikal eingedämmt wird, sondern in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen sogar Duftstoffmarketing betrieben wird.

Vorbildliche Reglungen in anderen Ländern

In Schweden agiert man in Bezug auf Duftstoffe weitaus fortschrittlicher. In der Region von Göteborg ist man sich der gesundheitlichen Verantwortung gegenüber von Patienten und Krankenhauspersonal durchaus bewusst und hat bereits seit September 2008 ein Duftstoffverbot in Krankenhäusern und Arztpraxen umgesetzt. In Kanada und den USA sind Duftstoffe mittlerweile in vielen Krankenhäusern verboten. Der Einsatz von schadstoffkontrollierten Krankenwagen wurde im amerikanischen Bundesstaat Ohio auf Grund der Initiative einer Patientenorganisation für Chemikaliensensible (ONFCI) zum Wohle von Chemikaliensensiblen realisiert, um auch MCS-Patienten medizinische Notfallversorgung zu ermöglichen.

Gesundheitsversorgung für alle? - Für Umweltpatienten in Deutschland weiterhin ein Wunschtraum!

In der Vergangenheit wurde vielen MCS-Patienten das Nichtvorhandensein entsprechender Krankenzimmer zum Verhängnis, manche wussten keinen anderen Ausweg und begannen Suizid. Krankenhäuser sind öffentliche Einrichtungen, die jedem Patienten zur Verfügung stehen müssen. Duftstoffverbote und schadstoffarme Innenausstattung in Krankenhäusern würden vielen Patienten enormes Leid vermeiden und gewährleisten, dass der gesamten Bevölkerung die notwendige Gesundheitsversorgung zur Verfügung steht. Mittlerweile existieren in Deutschland lediglich zwei Krankenzimmer mit drei Krankenbetten für Umweltpatienten, was als völlig unterdimensioniert anzusehen ist.

Viele Verbesserungen könnten mit „Good Will“ umgesetzt werden und kämen nicht nur Patienten, sondern auch dauerhaft dem Krankenhauspersonal zugute. Zudem wäre ein allgemeines Duftstoffverbot in Krankenhäusern eine dringend notwendige und überfällige Erweiterung von Barrierefreiheit für Behinderte.

Herzlichen Dank an Karina für den aufschlussreichen Erfahrungsbericht!

Anmerkung:
Dieser Beitrag wurde bereits in leicht veränderter Form im Newsblog veröffentlicht.

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2 Gedanken zu “Duftstoffe im Gesundheitswesen – ein zunehmendes Problem

  1. Infoliner

    Je höher die Arzt- und insbesondere Krankenhausdichte, desto kränker die Menschen und desto früher sterben sie. Gute Besserung.

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  2. Pingback:

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