Ökolandbau – als Chance für die Zukunft

Ökolandbau fördert Artenvielfalt

Wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten

Immer mehr Menschen üben Kritik an der in Deutschland vorherrschend betriebenen industriellen Agrarwirtschaft, die größtenteils mit Massentierhaltung einhergeht und bei der durch das ungebremste Ausbringen von Pestiziden die Ackerflächen kontinuierlich vergiftet werden. Demnach erfreuen sich Erzeugnisse aus biologischem Landbau wachsender Beliebtheit.

Der Haken an dieser tendenziell positiven Entwicklung ist jedoch, dass die Kapazitäten hierzulande bei weitem nicht ausreichen, um die Nachfrage nach heimischen und regionalen Bio-Produkten decken zu können. Auch fehlt es an landwirtschaftlichen Betrieben, die auf biologische Erzeugung umstellen wollen. Als Konsequenz des mangelnden inländischen Angebots und fehlender Strukturen, steigt die Zahl der Importe von ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus dem Ausland ständig an. Dadurch werden die von Verbrauchern gewünschten positiven Effekte auf die Umwelt, Nachhaltigkeit sowie die Klima-Bilanz, die man im Allgemeinen mit Bio-Produkten assoziiert, ungemein dezimiert.

Öko-Anbauflächen rückläufig!

Laut aktueller Mitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, betrug der Anteil des Ökolandbaus an der gesamten Agrarfläche im Jahr 2014 in Deutschland lediglich 6,3 Prozent und wurde von 23.398 Bio-Betrieben erwirtschaftet, was einem Anteil von 8,2 Prozent der gesamten Agrarbetriebe entsprach. Im Vergleich zum Vorjahr ist zwar ein Anstieg von 127 Öko-Betrieben zu verzeichnen, allerdings verringerten sich erstmalig die Öko-Anbauflächen um 13036 Hektar auf insgesamt 1.047.633 Hektar.

Der bei rund 6 Prozent liegende Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen ist somit noch weit von der durch die Bundesregierung veranschlagten Zielsetzung entfernt, den Ökolandbau auf 20 Prozent der gesamten Agrarfläche auszuweiten. Allerdings wurde für dieses Vorhaben kein zeitlicher Rahmen festgelegt, weswegen sich der avisierte ökologisch ausgerichtete Umbau der Landwirtschaft, möglicherweise noch über viele Jahre hinziehen könnte.

Ökolandbau fördert Umweltschutz, Gewässerschutz, Klimaschutz und Artenvielfalt

Dabei liegen die Vorteile des Ökolandbaus klar auf der Hand. Immerhin betreiben Bio-Betriebe keine Mega-Ställe mit Massentierhaltung und stattfindender Tierquälerei, auch verabreichen sie keine Antibiotika, die in der konventionellen Landwirtschaft zunehmend gefährliche Resistenzen fördern, die sich bekanntermaßen auch für uns Menschen als bedrohlich erweisen. Außerdem wird die im Ökolandbau anfallende Gülle auf den hofeigenen Flächen ausgebracht, während sich die Massen an Gülle aus den Tiermastanlagen der konventionellen industriellen Agrarwirtschaft, immer mehr zum Problemfaktor für Umwelt und Gesundheit entwickeln.

Auch kommen in der ökologischen Landwirtschaft keine umweltschädlichen chemischen Pestizide sowie mineralischen Stickstoffdünger zum Einsatz, die sich unter anderem nachteilig auf das Klima auswirken.

Zahlreiche in der konventionellen Landwirtschaft zur Anwendung kommenden Pestizide, Herbizide und Insektizide, fördern nicht „nur“ das Artensterben und sind schädlich für Umwelt und Gewässer, sondern gefährden gleichzeitig auch uns Menschen. Denn viele der massenhaft ausgebrachten Umweltgifte wirken wie Hormone, sind krebserregend und können das Erbgut schädigen. Als Konsequenz kommt es nicht nur zum Bienensterben, sondern unzählige weitere Nützlinge sowie Tier- und Pflanzenarten bleiben dabei auf der Strecke - das Artensterben schreitet in großen Schritten voran.

Ökologische Landwirtschaft durch strukturelle Rahmenbedingungen und Konsumverhalten stärken

Anstelle der bisher stattfindenden schwerfälligen Entwicklung, liegt hingegen eine große Chance darin, die zielstrebige und zeitnahe Förderung des Ökolandbaus zu forcieren und ganz oben auf die Agenda der Agrarpolitik zu setzen. Denn das Vorantreiben struktureller Rahmenbedingungen sowie die Anhebung der Öko-Prämie, bedeuten zusätzliche Anreize für Landwirte, um auf Ökolandbau umzustellen.

Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass der permanente Preisdruck, den Nahrungsmittelkonzerne und der Handel auch auf die Bio-Branche verüben, die Misere verschärft und dazu führt, dass viele Bio-Bauern auf diesem aufgezwungenen niedrigem Niveau nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können und ihren Bio-Betrieb wieder aufgeben müssen und letztendlich zur konventionellen Landwirtschaft zurückkehren.

Die Problematik wird zusätzlich verstärkt, da mittlerweile quasi jeder Discounter und Supermarkt eine Bio-Abteilung betreibt und einen Großteil des Umsatzes der gesamten Bio-Branche einstreichen. Hinzu kommt, dass große Biomärkte die kleinen Bio-Läden tendenziell verdrängen. Allerdings sind viele der im großen Stil vermarkteten Bio-Produkte häufig alles andere als saisonal und regional und haben zudem nicht selten eine weite Reise hinter sich. Zusätzlich fehlt beim Verbraucher oftmals auch die Bereitschaft, im Bio-Laden für Bio-Produkte aus der Region, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, als im Supermarkt oder beim Discounter. Nicht selten dominiert auch der Kundenwunsch, das ganze Jahr über ein breitgefächertes Bio-Sortiment, ohne jegliche kulinarischen und jahreszeitbedingten Einschränkungen, zur Verfügung zu haben.

Stärkung des ländlichen Raums

Die Erwirtschaftung von Bio-Produkten aus regionalem Anbau vereint nicht nur Umwelt-, Klima- und Gewässerschutz, sondern begünstigt ebenfalls die Artenvielfalt ungemein, bei gleichzeitiger nachhaltiger Stärkung des strukturarmen ländlichen Raums!

Außerdem könnten durch Förderung des Ökolandbaus mehr ökologisch ausgerichtete Arbeitsplätze im eigenen Land entstehen. Statt also weiterhin den steigenden Bedarf an Bio-Produkten durch Importe aus dem Ausland zu decken und den Ausverkauf Deutschlands zu forcieren, bietet der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft, auch aus wirtschaftlicher Sicht, eine nachhaltige Chance für Deutschlands Zukunft.

Literatur:

Umweltbundesamt: Ökolandbau
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Ökologischer Landbau in Deutschland
Stiftung für Ökologie und Landbau: Ökoflächen erstmalig rückläufig

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3 Gedanken zu “Ökolandbau – als Chance für die Zukunft

  1. Infoliner

    Ich habe Streuobstwiesen im Vogelsberg, natürlich mehr als "ökologisch" bewirtschaftet, also auch keine zugelassenen Spritz/Düngemittel werden verwendet. Alte Apfelsorten und Birnen zumeist, aber es gibt auch unbekanntere Früchte. Der Vertrieb ist aber keine einfache Sache, denn weder kann ich große Mengen gleiche makellose Apfelsorte einem Distributor versprechen, noch lohnt es sich, Bioläden wegen ein paar Kilo anzufahren. Wenn jemand da eine gute Idee für mich hätte (habe die Wiesen erst letztes Jahr übernommen) oder selbst ordentlich was braucht, kann er sich gern melden. Ich weiß nicht ob ich meine Email hier angeben darf, aber die Blogbetreiberin darf gerne meine Email weitergeben oder sie hier einfügen.

    E-Mail: info-line@gmx.net

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