Wenn Duftstoffallergie oder MCS das Leben bestimmt

total verzweifelt
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Und plötzlich ist alles anders
Die möglichen Auswirkungen einer Duftstoffallergie sowie von Multipler Chemikalien Sensitivität, werden häufig unterschätzt. Insbesondere das Krankheitsbild der Duftstoffallergie hört sich für gesunde Menschen im ersten Moment relativ harmlos an. Allergien und Unverträglichkeiten haben doch Viele, werden manche denken. Doch kaum jemand weiß, eine Duftstoffallergie gilt in der Medizin als unheilbar.

Auch für Patienten, die an MCS (Multiple Chemical Sensitivity) erkrankt sind, zählen synthetische Duftstoffe häufig als Hauptauslöser ihrer Symptome. Dass das Leben mit einer Duftstoffallergie wie auch einer Multiple Chemikaliensensibilität, mit folgeschweren gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen für das gesamte weitere eigene Leben einhergeht, darüber macht sich kaum jemand so recht Gedanken bzw. es ist sich niemand des möglichen gravierenden Ausmaßes tatsächlich bewusst. Denn anders als bei Allergien auf Nahrungsmittel, kann man die eigene Anwendung von Duftstoffen zwar einstellen, aber da Duftstoffe in unserem heutigen Umfeld quasi überall vorhanden sind, kann man ihnen kaum entrinnen.

Die Bewältigung des Alltags ist bitter

Duftstoffe sind heutzutage fast allgegenwärtig, was dazu führt, dass es für Duftstoffallergiker und Chemikaliensensible kaum noch möglich, am öffentlichen Leben teilzuhaben und sie häufig in sozialer Isolation leben müssen. Die Aktivitäten des „normalen“ Lebens ändern sich grundlegend und werden für die Betroffenen in unvorstellbarer Intensität eingeschränkt.

Da es jeden plötzlich treffen kann, wäre es sicherlich empfehlenswert, sich einmal gedanklich vor Augen zu halten, inwiefern sich das eigene Leben mit einer Duftstoffallergie oder MCS-Erkrankung, möglicherweise ändern und was es tatsächlich bedeuten könnte, wenn u. a. auf einmal Folgendes nicht möglich wäre:

  • Kino- und Theaterbesuch
  • Einkaufsbummel
  • Weggehen mit Freunden und Bekannten
  • Besuche von Freunden und Bekannten in deren Wohnungen
  • Mitfahren in anderen PKW oder in Öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Vereinssport oder Fitnessstudio
  • Essengehen
  • Faulenzen am Strand oder Baggersee
  • in Urlaub fahren
  • einen Beruf ausüben

  • Selbst ganz banale Dinge, wie beispielsweise der Besuch einer öffentlichen Toilette, können zum Alptraum werden, weil diese zumeist mit bedufteten WC-Steinen oder automatischen Duftspendern ausgestattet sind, was für viele Betroffene eine unüberwindbare Hürde darstellt.

    Wenn Selbstverständliches unmöglich wird

    Vieles das für andere selbstverständlich ist, wird für Duftstoffallergiker und MCS-Patienten oft zum unmöglichen Problem.

    Einige Beispiele aus dem Alltag:

    Die Betätigung der Wischanlage im Auto: Durch die zugesetzten Duftstoffe in Scheibenreinigungs- und Frostschutzmittel kann dies zur Qual werden und möglicherweise einen Asthma-Anfall, starken Schwindel, Migräne und vieles mehr auslösen.

    Duftstoffe von Kollegen am Arbeitsplatz: Sie können sich leicht zum unüberwindbaren Hindernis entwickeln. Das kann sogar bedeuten, dass man den Job aufgeben muss. Und das “nur”, weil man plötzlich hochallergisch und in unvorstellbarer Intensität, mit starken Gesundheitsbeschwerden auf Duftstoffe der Kollegen reagiert.

    Die gemeinschaftlich genutzte Waschküche im Mietshaus: Sie kann nicht mehr betreten werden, weil die die Gerüche der durch die Mitbewohner benutzten Waschmittel- und Weichspüler und Trocknertücher Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen.

    Aufenthalte auf Balkon oder Terrasse: Plötzlich unmöglich, wenn der Nachbar seine duftende Wäsche aufgehängt hat oder Duftkerzen verwendet.

    Der Gang durchs Treppenhaus zur eigenen Wohnung: Wegen der Ausdünstungen aus der Waschküche oder durch verwendetes Parfüm von anderen Mietern, eskaliert er zum Spießrutenlaufen.

    Steht eine Reparatur eines Haushaltsgerätes, wie z. B. der Spül- oder Waschmaschine an, ergeben sich oftmals unüberwindbare Probleme, da Duftstoffallergiker und MCS-Betroffene größtenteils auf Monteure angewiesen sind, die keine Duftstoffe verwenden, was in der heutigen Zeit quasi so gut wie unmöglich ist.

    Wie heißt es im Leben so schön „Geld stinkt nicht“. Doch auch dieser Spruch scheint widerlegt, denn heutzutage riechen Geldscheine häufig extrem nach Duftstoffen, da sie durch unzählige Hände wandern.

    Von Lebensqualität keine Spur!

    Was es bedeutet, ein Leben als Duftstoffallergiker oder MCS-Patient führen zu müssen, können sich gesunde Menschen höchstwahrscheinlich nicht wirklich vorstellen. Die Auswirkungen der zuvor beschriebenen Beispiele, auf die Lebensqualität von Duftstoffallergikern und MCS-Patienten, sind enorm.

    Politiker und Gesetzgeber sind in der Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass Produkte mit krankmachenden Chemikalien in Alltagsprodukten, aus dem Handel verschwinden.

    In Anbetracht dessen, dass niemand davor sicher ist, im Laufe seines Lebens selbst an einer Duftstoffallergie oder Multipler Chemikaliensensitivität zu erkranken, wäre man sicherlich gut beraten, das eigene Konsumverhalten von Duftstoffen kritisch zu hinterfragen und sich zu überlegen, ob der Gebrauch dieser Alltagschemikalien tatsächlich notwendig ist. Schließlich gibt es mittlerweile viele parfümfreie Produkte, die die eigene Gesundheit, aber auch die der Mitmenschen, ohne großen Aufwand positiv und nachhaltig beeinflussen können.

    An einer Duftstoffallergie oder MCS erkrankt zu sein, bedeutet einen enormen Verlust von Lebensqualität und kann das gesamte Leben radikal verändern.

    Weitere Artikel zum Thema:
    Krank durch synthetische Duftstoffe?
    Krank durch Chemikalien in Alltagsprodukten

    9 Gedanken zu “Wenn Duftstoffallergie oder MCS das Leben bestimmt

    1. Elisabeth

      Liebe Maria,
      deinen Blog finde ich wirklich hervorragend. Der Artikel über die Duftstoffallergie zeigt das schwierige Leben in der Gemeinschaft auf. Ich selbst habe allergisches Asthma und reagiere seit über zehn Jahren immer mehr auf die verschiedensten Duftstoffe. Entweder mit zugeschwollener Nase, ständigen Entzündungen der oberen Atemwege, im schlimmsten Fall mit einem Asthmaanfall. Eine ganz schwierige Problematik ist auch ein Krankenhausaufenthalt. Die Putzmittel im Gebäude, die Desinfektionsmittel, Haargel, Shampoo oder Deos von Ärzten und von Zimmergenossen. Nur mit Attesten meines Lungenfacharztes komme ich überhaupt diesbezüglich weiter.
      Meine Wohnungsnachbarn benutzen seit neuestem Raumsprays, ich kann die Wohnung nicht lüften, über die Absauganlage kommt der "Duft" aus der Nachbarwohnung in meine Wohnung. Ein Alptraum. Ich bin dir sehr dankbar, dass du dich dieses Themas angenommen hast und hoffe, dass dadurch das "Krankheitsbild" in der Öffentlichkeit noch bekannter wird und die Menschen für die Komplexität dieser Allergie sensibilisiert werden.
      Wenn man auf Menschen trifft, ist man unendlich dankbar dafür, wenn mit Verständnis reagiert wird und – besonders am Arbeitsplatz – auf Duftstoffe verzichtet wird. Denn ansonsten wäre man arbeitsunfähig!
      Herzliche Grüße von Elisabeth

      Antwort
      1. Maria Herzger

        Beitragsautor

        Liebe Elisabeth,

        Dankeschön für Deinen Kommentar, der aufzeigt, dass offenbar viele Menschen durch Duftstoffe massive gesundheitliche Probleme erleiden. Dass Duftstoffe im Krankenhaus ebenfalls für viele Patienten eine kaum vorstellbare Hürde darstellen, kann ich Dir nur zustimmen. Und zwar nicht "nur" Menschen, die an MCS erkrankt sind. Demnächst werde ich hierzu einen weiteren Beitrag einstellen.

        Viele liebe Grüße
        Maria

        Antwort
    2. Pingback:

    3. Elisabeth

      Liebe Maria,
      Deinen Artikel über "Duftstoffe im Gesundheitswesen – ein zunehmendes Problem" habe ich mit Interesse gelesen. Ich finde es sehr schade, dass in der Ausbildung der Ärzte dieses Thema sicherlich noch sehr wenig Beachtung findet. Dazu möchte ich folgendes berichten: Vor einigen Jahren musste bei mir im Oberkiefer ein Sinuslift durchgeführt werden, insgesamt eine anderthalbstündige Operation. Alle an der Operation befindlichen Ärzte und Studenten wurden gebeten, am Tag der Operation auf Duftstoffe in jeglicher Form zu verzichten, da ich ja eine Duftstoffallergie habe und unter einer erheblichen Überempfindlichkeit der Atemwege leide. Einer Studentin war wohl der Ernst der Lage nicht bewusst, sie kam zur Operation "beduftet", es war mir nicht möglich dieses zu tolerieren, weil schon in weitem Abstand meine Atemwege gereizt wurden. Wenn man eine so lange Zeit den Mund aufhalten muss, darf wirklich nichts reizen, denn sonst ist die Operation ja nicht durchführbar. Die Studentin begann mit mir zu diskutieren, sie wollte sich möglichst weit weg von mir positionieren, da sie unbedingt die Operation beobachten wollte. Das lehnte ich ab und meinte, dann kann die Operation nicht durchgeführt werden. Diesen zusätzlichen Stress vor einer Operation fand ich zudem sehr ärgerlich. Einerseits tat mir die Studentin leid, wäre sie andererseits über die Problematik eines Asthmatikers und Allergikers ausreichend informiert gewesen, dann hätte sie im Vorfeld, so glaube und hoffe ich, anders gehandelt. Schnell wurde jedoch ein anderer Student als Ersatz zum Beobachten der Operation gefunden, der sich wiederum freute, weil er an solch einem, nicht alltäglich durchgeführten Eingriff, unverhofft teilnehmen durfte.

      Herzliche Grüße von Elisabeth

      Antwort
    4. Pingback:

    5. Liebe Maria,
      das menschliche Zusammenleben wird immer schwieriger, insbesondere, wenn man Asthmatiker ist. Ich hatte immer gedacht, Duftstoffe jeglicher Art und das Rauchen an sich seien schon der Höhepunkt der gesundheitlichen Belastung, aber weit gefehlt. Seit fast zwanzig Jahren habe ich in meiner Wohnung, ohne darüber nachzudenken, gelüftet und unseren Balkon zum Trocken der Wäsche benutzt. Nun ist es mit allem vorbei! Das Fenster kann ich nicht mehr ohne Bedenken öffnen und die Wäsche brauche ich auch nicht mehr auf meinen Balkon zu hängen. Ich habe den Eindruck ich bin im falschen Film. Ein genussvoller Shisha Raucher macht mir das Leben zur Hölle. Wenn ich durch unser Treppenhaus gehe, dann habe ich einen extremen Druck auf der Lunge. Obwohl die Tür unserer Wohnung abgedichtet ist, kriecht der Shisha Rauch durch alle Ritzen, und das Lüften unserer Wohnung hängt vom Rauchverhalten des Nachbarn ab. Mir wird schlecht von dem Geruch und mittlerweile habe ich schon zwei Asthmaanfälle in meiner eigenen Wohnung gehabt. ....und meine sonst vom Wind frisch riechende Wäsche nimmt jetzt auf dem Balkon den Geruch der Shisha an, allerdings nicht zu meiner Freude. Was tun?? Die letzten Tage habe ich schon Kontakt zu meinem Nachbarn aufgenommen und ihm von meiner Not erzählt. Aber, was kann ich erreichen? Grundsätzlich kann jeder in seiner Wohnung tun und lassen, was er möchte. Oder hört diese Freiheit dort auf, wo er den anderen schädigt?

      Herzliche Grüße von Elisabeth

      Antwort
      1. Maria Herzger

        Beitragsautor

        Liebe Elisabeth,

        dass Du in Deinem Umfeld so stark eingeschränkt wirst, tut mir Leid!

        Ja, wenn man beispielsweise auf Duftstoffe und Zigarettenrauch gesundheitlich negativ reagiert, ist man unglaublich eingeschränkt. Die tatsächliche Tragweite kann nur nachempfinden, wer selbst davon betroffen ist. Als MCS-Betroffene kann ich mich nur allzu gut in Deine Lage hinein versetzen. Massive Einschränkungen holen auch mich im täglichen Leben, quasi in allen Lebensbereichen ein.

        Viele Menschen können beispielsweise auf Grund gesundheitlicher Reaktionen auf Duftstoffe ihren Beruf nicht mehr ausüben.

        Gesundheitliche Probleme durch den Dampf von Shishas sind sicherlich nicht verwunderlich. Durch die Aromastoffe im Dampf von Shishas bzw. E-Zigaretten werden Chemie-Cocktails freigesetzt.

        Kennst Du dieses Urteil? http://www.sueddeutsche.de/panorama/urteil-des-bgh-zigarettenrauch-vom-nachbarbalkon-muss-nicht-geduldet-werden-1.2307001

        Vielleicht könnt Ihr Euch auf rauchfreie Zeiten einigen.

        Viel Glück und alles Gute! Es würde mich freuen, wenn sich für Dich alles zum Guten wendet!

        Liebe Grüße
        Maria

        Antwort
    6. Regina

      Liebe Maria, ich danke von ganzem Herzen für diesen Beitrag und die anderen MCS Beiträge.
      Du beschreibst genau das, wie es einem ergeht als Duftstoffallergiker und MCS Gepeinigte. Der Alltag ist kaum zu bewältigen.
      Ich habe nach einem langjährigem Albtraum endlich eine schadstoffreie, ökologisch sanierte Wohnung, um die ich nun kämpfen muss, um sie zu behalten. Meinen Job musste ich vor Jahren aufgeben, stark parfümierter Publikumsverkehr.
      Vielen Dank für deinen Blog. Man fühlt sich nicht allein.
      Herzliche und vor allem duftstoff freie Grüße, Regina

      Antwort
    7. MonaBaranczyk

      Liebe Maria,
      wir hatten vor vielen Jahren einmal Kontakt in einem Forum für MCS.
      Nach 15 Jahren schwerer MCS und Leben in völliger Isolation wurde ich 2011 durch die Sanazon Therapie wieder gesund.
      Nun 5 Jahre später kann ich dir nur bestätigen,daß es mir immer noch sehr gut geht und ich an allen Bereichen des normalen Lebens teilhaben kann.
      Es ist wie ein geschenktes,neues Leben,das ich in vollen Zügen nun schon 5 Jahre genießen darf.
      Ich würde mich so freuen,wenn du das auch wieder könntest!

      LG Mona B.

      Antwort

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